Kommunales Familienbüro

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und der Berliner Beirat für Familienfragen diskutieren darüber, wie die Berliner Verwaltung serviceorientierter und familienfreundlicher werden kann. Das kommunale Familienbüro ist dabei Modell und Diskussionsvorlage.

Mit der Entwicklung so genannter „Bürgerzentren“ ist Berlin auf dem Weg, das Serviceangebot der bezirklichen Bürgerämter auch für familienbezogene Leistungen zu erhöhen. In der Veranstaltung „Guter Service für alle Familien. Das kommunale Familienbüro“ am 7. November 2013, im Goldenen Saal des Schöneberger Rathauses, wurde diskutiert, inwieweit sich an diese Entwicklung anknüpfen lässt, um die Verwaltung serviceorientiert für die Familien in Berlin zu öffnen.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler eröffnete die Veranstaltung. Frau Schöttler ist auch Vorsitzende des Ausschusses für Jugend des Rats der Bürgermeister und Vorstandsvorsitzende der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin.

Dr. Alexandra Krause, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V., verwies zu Anfang auf die Bandbreite kommunaler Familienbüros, die bereits in anderen Kommunen in Deutschland existieren: Zentrale Aufgabe ist es, Familien zu Angeboten der Verwaltung, aber auch Freier Träger (z.B. Beratungsstellen) zu lotsen. Gleichzeitig können Familienbüros aber auch Schaufenster für kommunale Familienpolitik sein und somit Inputgeber für die Politik.

Beeindruckend stellte Dr. Cornelia Pauschek, Leiterin des Familieninfobüros Leipzig, ihr Modell vor: Nahezu alle Familien erhalten bei der standesamtlichen Anmeldung ihrer Kinder einen Gutschein für ein Willkommenspaket, welches sie sich dann im Familieninfobüro abholen können. Unter anderem beinhaltet dies eine Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr für ein Elternteil mit Kind, aber auch viele In-formationen über die Angebote in der Stadt. Darüber hinaus veranstaltet das Büro Informationsabende, z.B. zum Elterngeld, welche regelmäßig von über 100 Menschen besucht werden.

Georg Zinner, Geschäftsführer des Nachbarschaftsheims Schöneberg, erweiterte anschließend das Blickfeld: Familien suchen nicht nur nach Ordnung und Beratung zu den Leistungen, die sie bei öffentlichen Stellen beantragen können. Sie suchen Begleitung auch in Erziehungs- und Bildungsfragen. Nachbarschaftsheime sind dabei die richtigen Ansprechpartner, die ein umfassendes Angebot „aus einer Hand“ und über Generationen hinweg bieten können.

In der Abschlussdiskussion stellten sich Beatrix Schwarze, Geschäftsführerin des Vereins Familiengerechte Kommune e.V., Andreas Statzkowski, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Oliver Schworck, Stadtrat für Jugend, Ordnung und Bürgerdienste in Tempelhof-Schöneberg, Thomas Härtel, Staatssekretär a.D., Vorsitzender des Berliner Beirats für Familienfragen und Renate Wilkening, Geschäftsführerin des Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrums in der ufaFabrik e.V. der Frage, was notwendig ist, um ein solches kommunales Familienbüro auch in Berlin Wirklichkeit werden zu lassen. Dabei wurde deutlich, dass

          Familien nicht nur nach Beratungsleistungen zu Antragsverfahren suchen, sondern, gerade in einer Stadt wie Berlin, in der die traditionelle Großfamilie nur noch selten Halt geben kann, ebenso die Begleitung der Familien in allen Fragen des Familienalltags von Anfang an gefragt ist.

          die Verwaltung bei der Entwicklung von bürgernahen Angeboten, wie z.B. dem „Bürgerzentrum“, den engen Austausch mit Kooperationspartnern suchen sollten, wie mit Familien- Nachbarschafts- und Bürgerzentren. Diese wissen sehr genau, was Familien bewegt und was sie von der Verwaltung erwarten.

          sowohl die Familien selbst, als auch die Mitarbeitenden der Verwaltungen von Anfang an den Planungen beteiligt werden müssen.

Der Berliner Beirat für Familienfragen ist ein von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft berufenes, aber unabhängiges Gremium, um den Senat ressortübergreifend in allen familienpolitischen Fragen zu beraten. Der Beirat spricht dafür mit vielen Familien in Berlin, führt Fachveranstaltungen durch und erstellt einmal in der Legislaturperiode einen Familienbericht für das Land Berlin. Der aktuelle Bericht „Zusammenleben in Berlin“ erschien 2011, aktuell wird der nächste Bericht für 2015 vorbereitet.