Dank an Ehrenamtliche

Seit 35 Jahren weist Walter Strutz den Ehrenamtlichen in Tempelhof-Schöneberg den Weg. Seit einigen Jahren selbst als Ehrenamtlicher, denn nach dem Ende seiner offiziellen Dienstzeit engagierte er sich natürlich weiter für die Ehrenamtlichen im Bezirk. Im November werden diese zu einer vorweihnachtlichen Festveranstaltung in das Gemeinschaftshaus Lichtenrade eingeladen. Neben wichtigen Reden, der Ehrung von Jubilaren und einem musikalischen Programm, werden die Ehrenamtlichen mit einem vorzüglichen Buffet des Unternehmens „Lindner“ verwöhnt. Seit Jahrzehnten steht dieser Name für hohe Qualität.

Schon als Jugendstadträtin hat die jetzige Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler die Veranstaltung nicht nur besucht, sondern auch unterstützt. Für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, den Ehrenamtlichen für ihr Engagement zu danken.

Jugendstadtrat Oliver Schworck machte an ein paar Zahlen dieses Engagement deutlich. 80 ehrenamtliche Familienhelfer sind zurzeit im Einsatz, 38 Frauen und 42 Männer. Rund 30.000 Stunden sind sie pro Jahr tätig und kümmern sich um 223 Kinder und Jugendliche in 131 Familien. „Im Gegensatz zu früher gestalten sich nicht mehr alle Kinder- und Familienbetreuungen so ermutigend und enden positiv. Einige Ehrenamtliche leisten in den ih-nen anvertrauten Familien erheblich mehr als Profis je leisten könnten“, sagte Oliver Schworck in seiner Dankesrede.

Höhepunkt der Veranstaltung ist die Ehrung der Ehrenamtlichen, die fünf, zehn oder mehr Jahre tätig sind. Alle bekommen liebevoll von Familie Strutz eingepackte Geschenke, die Jugendamtsdirektor Wolfgang Mohns überreichte.

Wie schon im letzten Jahr trat auch diesmal wieder Lisa-Marie Hille mit neuen, teilweise sehr nachdenklichen und zur November-Stimmung passenden Liedern auf.

Zu einer Festveranstaltung gehört natürlich auch ein Festvortrag. Für diesen hatte Walter Strutz in diesem Jahr den langjährigen Mitarbeiter des Jugendamtes, Ed Koch, eingeladen. Koch ist seit 1967 ehrenamtliche im Bezirk tätig. Er berichtete von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Organisator von Rockmusikveranstaltungen mit Amateurbands, die ihn 1967 in die „Jugendtanzbar Bungalow“ am Mariendorfer Damm führten. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann blieb dort hängen und war dann 44 Jahre für das Jugendamt tätig, 30 davon als Leiter von Jugendfreizeiteinrichtungen, und 14 als Leiter der Bildungs- und Begegnungsstätte Tempelhofer Forum. Seit 1997 ist er für den Rocktreff und das Spielfest des Jugendamtes verantwortlich. Zusätzlich übernahm er die Aufgabe des Pressesprechers des Jugendamtes und den Sponsoringbeauftragten. Nebenbei organisierte er ehrenamtlich zwischen 1979 und 2012 320 Reiseprojekte für 7.500 Jugendliche und Erwachsene, darunter Internationale Jugendbegegnungen, Gedenkstätten-, Seminar- und Ferienfahrten.

„Was ist das Ehrenamt? Was ist die Motivation, etwas kostenlos oder für eine geringe Aufwandsentschädigung, für andere zu tun?“, fragte Koch in seiner Rede, und beantwortete die Frage selbst: „Ich sage, es muss neben vielen anderen Motiven auch ein hohes Maß an Leidenschaft dahinter stecken. Seine Fähigkeiten einzusetzen, etwas zu tun, das man für sinnvoll hält, sorgt für ein inneres Gleichgewicht. Faul und nutzlos rumzuhängen und die RTL 2-Familiengeschichten für das wahre Leben zu halten, treibt einen höchsten in die Depression.

1976 habe ich eine kleine Publikation gegründet, paperpress heißt sie. Seit meinem 13ten Lebensjahr war ich schon bei Schülerzeitungen aktiv. Bis heute gebe ich diese Publikation heraus – das kostet unendlich viel Zeit und auch sehr viel privates Geld. Ich will mit dem Blatt nicht die Welt verändern, was ein lächerlicher Anspruch wäre – mir ist auch völlig egal, ob das jemand liest, was ich da schreibe. Nein, es ist schlicht und einfach die Befriedigung einer Leidenschaft, nämlich zu schreiben.

Also: Leidenschaft ist wichtig.

Wenn Ehrenamtliche gefragt werden, warum sie ehrenamtlich tätig sind, sagen viele, weil es mir Spaß macht. Ja, es darf auch Spaß machen. Für mich klingt das aber immer so, als wenn ich Spaß auf Kosten anderer habe. Spaß haben ist viel zu banal, zweit- oder drittrangig. Wer nur Spaß an seiner ehrenamtlichen Tätigkeit hat, greift zu kurz. Die richtige Antwort muss lauten: Weil es wichtig ist, was ich mache! Weil es einen Sinn hat – weil ich damit anderen Menschen, die nicht so agil sind wie ich, helfen kann!

Es ist überhaupt nicht arrogant, wenn Ehrenamtliche von ihrer Arbeit zutiefst überzeugt sind. Und man muss sich immer wieder die Frage, warum man das macht, selbst beantworten: weil es sonst kein anderer macht und weil es gemacht werden muss. Deshalb: Mehr Selbstbewusstsein im Ehrenamt, liebe Leute.

Als ich 2006 für meine ehrenamtliche Tätigkeit das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam, hat mich jemand gefragt, ob ich denn nun stolz sei, den Orden bekommen zu haben. Stolz? Das Wort kommt in meinem Sprachschatz nicht vor. Nach 40 Jahren ehrenamtlicher Arbeit ist es ja wohl selbstverständlich, dass sich der Bundespräsident mal bei einem meldet. Was ich damit sagen will, ist, wenn man etwas für die Gemeinschaft tut, dann darf man auch erwarten, dass sich die Repräsentanten bei einem bedanken. Das ist nicht un-bescheiden, sondern selbstbewusst. Und deshalb halte ich diese Veranstaltung, die mein Freund Walter Strutz seit gefühlten 100 Jahren durchführt, natürlich für anerkennenswert, aber auch für selbstverständlich Ihnen, den Ehrenamtlichen gegenüber.“

Zu den kulturellen Leckerbissen gehörte ein klassisches Trio, das Zander-Bläser-ensemble, die schon erwähnte Lisa Marie- Hille und „Absolutely Unterhaltsam“, eine be-eindruckende a-capella-Vorführung, die den Abend ausklingen ließ. Davor konnten sich jedoch alle Anwesenden vom umfangreichen Programm erholen und sich voll und ganz dem Buffet widmen. Die freundschaftliche und inzwischen auch familiäre Beziehung zwischen den Familien Strutz und Lindner, trägt mit dazu bei, dass die Ehrenamtlichen und anderen Gäste ein Buffet von Feinsten geboten bekommen. Schon beim Betreten des Saales fanden die Gäste auf den Tischen große Teller mit frischem Obst vor. Das Buffet, das soll hier nicht verschwiegen werden, begann mit Broqueta de Serano, vegetarischen Mini-Sommerrollen und Chicoree Salat als Vorspeisen. Zu den Hauptspeisen zählten Pro-venzalischer Rindertopf, Enten-Curry und Gemüsepfanne. Angereichert war das Lindner-Buffet natürlich mit dem berühmten Brot des Unternehmens, einem Käsebrett, dreierlei Schinken und einer Anti Pasti Platte. Vor dem Dessert musste man schon seinen Gürtel ein Loch weiter stellen. Macaron Fleur, Macaron Himbeere, Rote Grütze auf Lindner Vanil-lequark und Lindner Mousse au Chocolat. Neben dem hauseigenen Lindner Apfel- und Orangensaft und Römerquelle-Wasser, gab es ein kräftiges Meckatzer Weiss-Gold Bier aus dem Allgäu und einen Lindner Riesling und Lindner Merlot.

Auch ehemalige, wie der frühere Jugendamtsdirektor Henning Till, und aktive Mitarbeiter des Jugendamtes wie die Controllerin Margit Neuhold und die Regionalleiterinnen Dagmar Jotzow und Claudia Dorow, hatten ihre Freude an der Veranstaltung. Die ehemalige Jugendstadträtin und jetzige Bürgermeisterin Angelika Schöttler freute sich auch, ihre ehemaligen Fachleiter Detlef Große und Manfred Schulz auf der Veranstaltung wiederzusehen.

Nach dem Ausscheiden aus dem Dienst ist Walter Strutz mit „seinen“ Ehrenamtlichen jetzt beim Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V. angesiedelt, dessen Geschäftsführer Georg Zinner auch an der Veranstaltung teilnahm.