Das war’s…nichts ganz

 

Liebe Leserinnen und Leser von KiTS-aktuell, liebe Kolleginnen und Kollegen, nachdem ich mich in der Herbst-Nummer der KiTS-Zeitung schon verabschiedet hatte, möchte ich dies nun noch einmal formell von allen Bezieherinnen und Beziehern des KiTS-aktuell Newsletters tun.  Nach – fast auf den Tag genau – 44 Jahren Tätigkeit für das Jugendamt Tempelhof – ab 2001 Tempelhof-Schöneberg – endet diese (eigentlich) am 31. März 2014. Mein Zeitkonto ist jedoch so gut gefüllt, ganz abgesehen von Resturlaub und Überstundenden, dass bereits am 30. November 2013 Schluss war. Allein 64 Tage, 6 Stunden und 1 Minute auf einem Zeitkonto stehen zu haben, gibt es wohl nur im Öffentlichen Dienst. Jeder andere Arbeitgeber hätte das ausbezahlt. Nun gut.

Von 1970 bis 2000 habe ich zwei Jugendfreizeiteinrichtungen in Tempelhof geleitet, den Bungalow und das Jugendfreizeitheim Mariendorf, dort war ich immerhin 21 Jahre tätig. Im Jahre 2000 zog ich dann mit unserer Bildungs- und Begegnungsstätte Tempelhofer Forum auf den Tempelhofer Parkfriedhof, was mich, wie man sieht, nicht umgebracht hat. Seit 1997 bin ich für den Rocktreff und das Spielfest zuständig, später wurde ich dann Sponsoringbeauftragter des Jugendamtes und war bis heute für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Jugendamtes zuständig. Die nervigste Begebenheit in diesem Bereich war die Geschichte um den so genannten Waldjungen Ray. Im Sommer 2012 klingelte mein Handy ununterbrochen, fast die ganze Welt wollte News zu Ray haben.

Im September 2001 gründeten wir auf Initiative von Hedi Müller, Mitarbeiterin beim Kita-Beraterteam, die KiTS-Zeitung. Nach langer schwerer Krankheit verstarb Hedi Müller am 18. Mai 2005 im Alter von nur 48 Jahren. Das war ein Schock für uns alle. In ihrem Sinne haben wir die KiTS-Zeitung weitergeführt. An 48 Ausgaben durfte ich mitarbeiten. Nein, ich will nicht jammern, natürlich hat das auch Spaß gemacht, aber eben auch sehr sehr viel Arbeit, womit ich meine Nachfolger keineswegs abschrecken möchte.

Die erste Ausgabe von KiTS-aktuell, unserem Jugendamtsnewsletter, erschien am 25. Mai 2007. Mit dieser letzten Ausgabe habe ich insgesamt 764 herausgegeben. Wichtig dabei war immer, dass KiTS-aktuell zwar die offizielle Publikation des Jugendamtes ist und bleiben wird, wir aber stets alle Aktivitäten im Bezirk gesehen und darüber berichtet haben, also auch über die der freien Träger, unsere Partner in der Jugendhilfe.

Meine Erlebnisse mit dem Jugendamt und allen, die damit indirekt oder direkt zu tun haben, würden ganze Bücher füllen. Aber, keine Angst, ich werde als „Rentner“ genug Besseres zu tun haben, als Bücher zu schreiben. Ich mache ab dem 1. Dezember 2013 so weiter wie ich 1967 angefangen habe, nämlich ehrenamtlich. Natürlich werde ich mich auch künftig um den Rocktreff und das Spielfest kümmern und mit dem bewährten Team weiterhin Seminare des Tempelhofer Forums anbieten, allerdings alles von einem neuen Standort aus, nämlich der ufaFabrik, die ich seit dem ersten Tag ihrer Existenz gut kenne. So schließt sich der Kreis.

Danken möchte ich vor allem dem Redaktionsteam von KiTS, allen, die seit 2001 dabei waren. Die Arbeit mit Euch hat mir wirklich viel Freude gemacht. Die Weichen sind gestellt, KiTS aktuell und KiTS-Zeitung wird es weiterhin geben. Dafür stehen unser Jugendstadtrat Oliver Schworck und unser Jugendamtsdirektor Wolfgang Mohns.

Die Zusammenarbeit zwischen den Jugendstadträten und mir, war keineswegs immer konfliktfrei. Ich gebe zu, es ihnen häufig auch nicht leicht gemacht zu haben. Bis 1996 empfand ich die Stadträte eher als Bremser meiner Ideen und Aktivitäten, was mich natürlich nicht daran hinderte, sie trotzdem durch- und umzusetzen. Im Nachhinein muss ich ihnen sogar dankbar sein. Hätte die Jugendamtsleitung sich nicht ständig über die öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten im Bungalow aufgeregt, hätten wir nie paperpress als Gegenpol zu einer restriktiven, bevormundenden und von Zensur geprägten Öffentlichkeitsarbeit des Jugendamtes gegründet. Auch das Komitee zur Förderung von Jugendaustauschprojekten – CPYE e.V. wäre nie gegründet worden. Grund war, dass die damalige Jugendamtsleitung zum Beispiel keine Unterstützung für internationale Jugendbegegnungsreisen gewährte, die eine Freizeiteinrichtung selbst organisieren wollte. Und auch die 65 Antifaschistischen Stadtrundfahrten des Paper Press e.V. hätte es mit dem Jugendamt nie gegeben. Wir hatten damals schlicht und einfach die falschen Zeitzeugen. Sie kamen aus dem kommunistischen Widerstand. Unerträglich für einen konservativen Jugendstadtrat. Das Jugendamt setzte eine eigene Fahrt dagegen, von der nur wenige stattfanden. Deren Zeitzeugen waren ehrenwerte Widerstandskämpfer, die allerdings wäh-rend der Hitler-Diktatur im sicheren Ausland lebten. Die Liste ließe sich fortsetzen, aber diese Abschiedsmail soll nicht zur Abrechnung verkommen.

Zum Ausgleich erwähnt werden muss jedoch, dass sich das Blatt 1996 wendete, als Dietrich Schippel Jugendstadtrat wurde. Eigentlich ein strammer Konservativer, der aber großes Interesse an einer vernünftigen, vorurteilsfreien Zusammenarbeit hatte. Ihm ist zu verdanken, dass aus dem „Wanderzirkus“ Tempelhofer Forum eine feste Einrichtung im Jugendfreizeitheim Mariendorf wurde. Und seinem Nachfolger Klaus-Ulrich Reipert verdanken wir es, dass wir im Jahr 2000 das wunderschöne Gebäude der ehemaligen Verwaltung des Tempelhofer Parkfriedhofs beziehen konnten.

Nach der ersten Wahl, die der Fusion folgte, wurde Angelika Schöttler Jugendstadträtin im neuen Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Gegründet hatte KiTS noch Klaus-Ulrich Reipert, aber schon ab der Nr. 3 im März 2002 stellten wir die „Neue“ vor. Unter ihrer Leitung entwickelte sich KiTS zu dem, was es heute ist. Die zehnjährige Zusammenarbeit mit Angelika Schöttler war dann nach Dietrich Schippel und Klaus-Ulrich Reipert endgültig die Wiedergutmachung für die Jahre von 1970 bis 1996. Die Zusammenarbeit war von großem gegenseitigem Vertrauen geprägt. Ich hätte in KiTS veröffentlichen können, was ich wollte, aber natürlich nie tat. Die Leine war lang, an der ich die Pressearbeit für das Jugendamt machte. Die Erfolge, die wir bei Veröffentlichungen über die Arbeit des Jugendamtes hatten, gaben unserem „System“ Recht. Und, in aller Bescheidenheit, Tempelhof-Schöneberg dürfte der Bezirk mit der intensivsten und kontinuierlichsten Öffentlichkeitsarbeit eines Jugendamtes in Berlin sein. Auf diesem Wege, liebe Angelika Schöttler, möchte ich mich bei Dir sehr herzlich für diese tolle Zeit bedanken. Wir waren, wenn ich das sagen darf, ein gutes Team. Du hast es mir verziehen, dass ich 2011 nicht mit Dir ins Bürgermeisterbüro ging, denn einen alten Jugendarbeiter verpflanzt man nicht noch gegen Ende seiner beruflichen Tätigkeit an einen anderen Ort.

Schöttler Nachfolger, Oliver Schworck, ist eine ganz andere Persönlichkeit. Darauf musste man sich erst einmal einstellen. Gut, dass man sich schon vorher viele Jahre aus gemeinsamer ehrenamtlicher Arbeit kannte. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit konnte mit Oliver Schworck fortgesetzt werden. Die Leine, an der ich tätig war, wurde nicht verkürzt. Auch Dir, lieber Oliver, vielen Dank für unsere gemeinsame Zeit, die noch längst nicht vorbei ist.

Mit Angelika Schöttler und Oliver Schworck werde ich weiterhin zu tun haben, wenn auch von meiner Seite rein ehrenamtlich. Beide unterstützen den Rocktreff und das Spielfest sowie das Tempelhofer Forum. Beim Rocktreff möchte ich nicht versäumen, mich auch für die wirklich tolle Zusammenarbeit und Unterstützung mit dem früheren BVV-Vorsteher Rainer Kotecki und der jetzigen Vorsteherin Petra Dittmeyer zu bedanken.

Dank auch an alle anderen, mit denen ich 44 Jahre zusammenarbeiten durfte. Bis heute verstehe ich die Mechanismen der öffentlichen Verwaltung nicht. Deshalb auch Dank für die große Geduld, die viele mit mir haben mussten. Und wenn sich jemand durch mich ungerecht oder unfreundlich behandelt fühlte, so werde ich mich nicht dafür entschuldigen. Was ich in aller Bescheidenheit von mir sagen kann, ist, dass ich ein hohes Gerechtigkeitsempfinden habe. Wenn also jemand von mir schräg angemacht wurde, dann zu Recht.

In der kommenden Woche wird es die nächste Ausgabe von KiTS-aktuell geben. Ein Redaktionsteam übernimmt die Aufgaben. Ich wünsche Euch viel Erfolg und auch Spaß an der Arbeit.

Das Redaktionsteam wir Ihnen dann mitteilen, wohin sie künftig Ihre Artikel und Fotos zur Veröffentlichung senden können. Die E-Mail-Adresse presse.jats(a)berlin.de wird in Kürze abgeschaltet. Und meine Handynummer 0160 9060 6106 müssen Sie bitte auch aus Ihrem Telefonverzeichnis streichen. Aber, wie es so schön heißt, ich bin ja nicht aus der Welt. Sie erreichen mich – bei Bedarf – unter ed.koch(a)berlin.de

Alles Gute! Ich wünsche Ihnen eine stressfreie Vorweihnachtszeit, ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest und vor allem einen guten und gesunden Start ins neue Jahr. Das war’s, wenn auch nicht ganz…

Mit herzlichen Grüßen – Ed Koch