Nachbarschaftsheim Schöneberg

 

Georg Zinner ist am 5.3.2014 verstorben.

Wir sind alle sehr traurig, fassungslos und tief erschüttert. Wer Georg Zinner gut kannte, der weiß, dass es ihm  unangenehm war, wenn er selbst  persönlich    im Mittelpunkt stand. Dazu gehörten Geburtstage, Jubiläen oder ähnliches. Daran denkend, wollen wir auch nicht Ihn,  sondern seine Überzeugungen, seine Haltung und seine Menschenkenntnis in den Mittelpunkt stellen. Denn das ist das, was gewirkt hat, was  bleiben wird.

Nachbarschaftliche Arbeit entstand als Idee Ende des 19. Jahrhunderts.  In den 50iger Jahren gründete sich der Verband, doch nahm er erst mit Beginn der 70iger Jahre so richtig an Fahrt auf. Die Idee, Professionalität und bürgerschaftliches Engagement zu verbinden, war die tragende Säule dabei. Das nachbarschaftliche Miteinander, die verbindende Kraft ehrenamtlichen Engagements und die professionelle, eher koordinierende Begleitung sollten den Erfolg der Nachbarschaftsheime besiegeln, davon war Georg Zinner überzeugt. Diese Überzeugung übertrug sich auf alle Handelnden und „Mitwirkenden“, ohne die der Erfolg eines Nachbarschaftsheimes nicht denkbar wäre.

Nachbarschaftsheime sollen politisch und wenn möglich wirtschaftlich unabhängig sein. Wirtschaftliche Unabhängigkeit wird auch durch Größe erreicht. Diese Größe ist ja mit leisen Tönen mitunter auch kritisiert worden, aber sie hat das Nachbarschaftsheim wirtschaftlich unabhängig gemacht. Gleichzeitig bietet die Größe den Beschäftigten des Trägers wiederum eine große Sicherheit und Kontinuität. Das hat auch dazu geführt, dass viele kommunale Kitas mit Personal zum „freien Träger“ Nachbarschaftsheim Schöneberg gewechselt sind und sich dort bereits über 10 Jahre sehr wohl fühlen.

Natürlich werden Projekte und Einrichtungen für ihre Leistungen im staatlichen Auftrag finanziert.  Aber jedes Projekt, jede Einrichtung ist der Grundidee, des nachbarschaftlichen Miteinanders verpflichtet. Das verbindet hauptamtlich Beschäftigte und Ehrenamtliche miteinander. Der hohe Wert der Ehrenamtlichkeit als Antriebsfeder zum gesellschaftlichen Miteinander ist hier sinnstiftend für die nachbarschaftliche Arbeit. Gleichzeitig erkennt nur die Nachbarschaft die „kleinen“ Nöte, die so oft große Probleme auslösen. Frühzeitig, niedrigschwellig und an den Menschen orientiert anpacken, das ist die Haltung, die Georg Zinner so gut vermittelte. Nicht die umfangreiche Therapie, nicht die große HzE, eher mal eine kleine Haushaltsunterstützung oder das Regelangebot von Kita, Hort und JFE, so sollte Unterstützung gestrickt sein.

Alles, was das Nachbarschaftsheim Schöneberg erreicht hat, alles, was es heute darstellt, ist zwar ohne Georg Zinner unvorstellbar, aber er selbst hat immer wieder betont und damit eben nicht kokettiert, dass nur gemeinsames Handeln zum Erfolg führt. Ohne die gute Mannschaft, ohne den Teamgeist und ohne die Verpflichtung aller, unter der gemeinsamen Idee „Nachbarschaftsheim“, ist der Erfolg auch nicht denkbar. Insofern hat auch seine Menschenkenntnis bei der Auswahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern letztlich zum Erfolg beigetragen.

Es bleibt das Nachbarschaftsheim Schöneberg als ein erfolgreiches großes Sozialunternehmen, das dabei nie den Einzelnen, nie die kleinen Probleme und nie die nachbarschaftlichen Bedürfnisse außer Acht lässt. Daran denken wir, wenn wir Georg Zinner betrauern.

Oliver Schworck                                           Wolfgang Mohns