Mittelalter in der Burg: Da tanzte der Bär!

Schön, dass unter der neuen Leitung die Tradition des Mittelalterfestes im Kinder- und Jugendzentrum „Burg“ weiter fortgesetzt und weiterentwickelt werden konnte.

So war es also am 22. Juni 2014 wieder so weit: Familien mit Kindern und Jugendlichen, sowie  Anwohnern aus der näheren und weiteren Umgebung der Region Friedenaus kamen, um sich für einige Stunden von der ungebrochenen Faszination für mittelalterlich anmutendes Marktreiben begeistern zu lassen.

Zwei Torwachen am Hofburgtor ließen die Besucher passieren und luden zu verschiedenen Aktivitäten  auf dem Burggelände ein.

Die jungen Besucher, ausgerüstet mit einer Laufkarte, konnten an ritterlichen Turnieren teilnehmen, aber auch Irdenes aus Ton herstellen und bei verschiedenen Bastelaktionen mittelalterliche Ausrüstungsgegenstände basteln oder sich fantasievoll schminken lassen. Als Wegzehrung und zur Stärkung konnten sie umsonst an einer Feuerstelle Brot backen und sich die Kehlen mit Kindermet befeuchten, bevor sie nach weiteren Abenteuern Ausschau hielten.

Damit auch den Erwachsenen unterwegs nicht die Puste ausging, wurde sie alle mit einem Catering – ehrenamtlich von den Mitgliedern des „Fördervereins die Burg e.V.“ durchgeführt – bei Kräften gehalten.

Viele Kinder und Jugendliche, die das Kinder- und Jugendzentrums Burg regelmäßig besuchen, traten dabei – gewandet in mittelalterlicher Kluft -auch als Helferlein auf und engagierten sich bei den verschiedensten Aktionen. Genauso waren die Mitglieder von „Nexus e.V.“, ein Verein zur Förderung der phantastischen Kultur, die schon seit vielen Jahren ihre Rollenspielveranstaltungen in der „Burg“ durchführen, ehrenamtlich zur Unterstützung angetreten.

Vom Burg-Vereinsvorsitzenden wurde durchs Rahmenprogramm geführt und das war auch dieses Jahr wieder ein wahres Abenteuer und ein Hingucker:

In den Gewölberäumen der „Burg“ und auf der Bühne des Burggeländes wurde unter der Leitung von Laurie Randolph, “Theater Zupf” der Musikschule Leo Kestenberg, Consort der MS Friedrichshain-Kreuzberg, sowie Dorothea Neumann-Kleinpaul (Erzählerin), Regine Rudiger (Schauspiel) gesungen und gespielt was das Zeug hielt und die Zuschauer mit Musik, Miracle-Spiel und Schwänken aus dem Mittelalter  verzaubert.

Das Duo „Fundevogel“ ließ mit Gesang und vielseitigem Instrumentarium die Geschichte des mittelhochdeutschen Minnesangs lebendig werden. Das Musiker-Paar aus Berlin trugen die alten Lieder und Weisen, Fundstücke aus neun Jahrhunderten und von ihnen selbst neu arrangiert so lebendig vor, dass sie damit das Publikum schon bald total in ihren Bann gezogen hatten.

Die kühnen Ritter der Gruppe „Jacamart“  führten historische Schwertkämpfe nach Fechtbüchern aus dem 13. bis 17. Jahrhundert vor. Zur Freude der vielen Zuschauer konnte anhand theatralischer Szenen sehr schön plastisch deutlich werden, was die mittelalterlichen Kampftechniken ausmachte.

Die diesjährige Oberattraktion war allerdings, und das gilt wohl für Jung und Alt, der Auftritt von „Bruno“ dem Tanzbären, seinem Dompteur und einer charmanten Marionettenspielerin.

So was hatte man noch nicht gesehen: Die Kostüme außergewöhnlich und die Vorführung brillant. Mitten im Marktgetümmel waren sie plötzlich da und schlugen sofort alle Anwesenden in ihren Bann. „Bruno“ der Bär wurde von seinem Dompteur auf einem kleinen Bollerwagen durch die Zuschauermenge gezogen. Dabei machte Bruno alles was er nicht sollte, wie spielende Kinder und Erwachsene erschrecken, auf Tische und Bänke klettern, den Mülleimer untersuchen und vieles mehr. Sein Besitzer bat immer wieder die Kinder um Hilfe, was sie natürlich liebend gerne übernahmen.

Großer Mut gehörte dazu auf „Bruno“ reiten zu können und sich über den Markt führen zu lassen – und doch es gab viele Tapfere.

Alle drei Schausteller dieser poesievollen Nummer gehören dem Wandertheater „Ton und Kirschen“ an, das 1992 von Margarete Biereye und David Johnston in der Nähe von Berlin gegründet wurde. Aus einem Stück von ihnen haben sie diesen Bärenauftritt entwickelt, mit der sie immer mal wieder auf mittelalterlichen Märkten und ähnlichen Veranstaltungen zu finden sind.

Beseelte und glückliche Kindergesichter können nicht irren, das mittelalterliche Markttreiben mit seinem außer-gewöhnlichen Programm war auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg und wird sicher auch nächstes Jahr wieder Hauptattraktion der Öffentlichkeitsarbeit der Burg sein. Ob „Bruno“ dann wieder die Stadt unsicher macht, bleibt zu hoffen.

 

Text:

Andreas Fuchs

Mitglied im Förderverein die Burg e.V.

Ulrike Schnieders

Mitarbeiterin des Kinder- und Jugendzentrums Burg