Berlin – Istanbul – Fetyihe (Internationale Jugendbegegnung in der Türkei 2014)

Schon seit vielen Jahren bietet das Kinder- und Jugendzentrum Burg in Friedenau eine Internationale Jugendbegegnung (IB) in die Türkei an. Dabei arbeitet sie mit Partnern aus verschiedenen Gegenden der Türkei zusammen. So entsteht für Jugendliche ein intensiver Kontakt zum Gastland. Gemeinsam arbeiten die Gruppen an Umwelt- oder Sozialprojekten und verbringen ihre Freizeit zusammen.

Istanbul – die Stadt, die sich als einzige Metropole der Welt durch ihre Lage am Bosporus auf zwei Kontinenten befindet.  Europa und Asien treffen hier aufeinander. Geschätzte rund 15 Millionen Menschen leben dort, und die Zahl steigt. Seit jeher war und ist diese Stadt ein Schmelztiegel von Ost und West.

Die Berliner Jugendgruppe besuchte in der ersten Reisetappe zum einen die historischen und kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt, die für alle ein überwältigendes Erlebnis war. Zum anderen lernten die Jugendlichen das Straßenkinderprojekt „Umut Kinder“ kennen. Das Kinder- und Jugendzentrum Burg unterhält schon seit einigen Jahren einen intensiven Kontakt zu diesem Projekt. Wie schon in den vergangenen Jahren brachte auch diesmal die Jugendgruppe eine Kleiderspende für die dort lebenden Kinder und Jugendlichen mit. Für die Teilnehmer_innen der IB ist der Besuch dieser Einrichtung jedes Jahr sehr bewegend.

Das Straßenkinderprojekt ist eine Organisation, die Straßenkinder im Alter von 11-18 Jahren aufnimmt und ihnen hilft von der Straße wegzukommen. Viele Straßenkinder benutzen Verdünnungsmittel und Klebstoff als Droge, um ihr Leben erträglicher zu machen. Das alles haben wir von einem ehemaligen Straßenkind erfahren, der heute Leiter des Hauses ist.“ So ein Teilnehmer der IB-Türkei.

Sehr interessant für die Berliner Jugendgruppe waren weitere Besichtigungen, die hier von einigen Teilnehmer_innen geschildert werden:

Am fünften Tag haben wir eine Einladung vom Schulrat bekommen, da wir in einer Kooperation mit einer Grundschule sind. Dort haben wir einiges über das türkische Schulsystem gelernt und konnten all unsere Fragen stellen. Als Dankeschön haben wir am Schluss ein Geschenk überreicht. Danach haben wir die Grundschule besucht, in der die Lehrerin unterrichtet, die uns die ganze Zeit in Istanbul begleitet hat. Auch hier konnten wir mit dem Schulleiter und der Lehrerin unsere Fragen stellen und diskutieren. Nach der Grundschule haben wir eine türkische Musikschule besichtigt und durften uns dort zwei klassische Musikstücke anhöre.“

„Am letzten Tag in Istanbul haben wir die Elite Schule besucht, die sich auf dem gleichen Gelände befindet, wie auch unsere Jugendherberge. Am Anfang hat uns der Direktor etwas über die Schule erzählt, z.B. dass es eine Deutsch-Türkische Schule ist. Viele Fächer wie Mathe, Biologie und Chemie werden auf Deutsch unterrichtet. Nach dem Vortrag haben wir uns die Schule angeschaut und erfahren, dass nur die Besten der Schule die Chance haben auch in Deutschland zu studieren. Es war eine gemischte Schule, Mädchen wie Jungs können sie besuchen. Die beste Schülerin hat einen Notendurchschnitt von 1,0 gehabt.“

Die Tage in Istanbul waren mit Sicherheit eine sehr interessante und erfahrungsreiche Zeit für die Jugendlichen.

Die zweite Etappe der Reise führte die Gruppe nach Fetyihe, ein romantischer Ort in der Provinz Malatya in Ostanatolien. „Istanbul war sehr schön, doch nun waren alle sehr froh nach Fethiye zu fliegen. Am nächsten Tag ging es nach einem herzhaften Frühstück nach Ölüdeniz, in die Blaue Lagune. Dort hatten wir die Möglichkeit das Wetter und das Meer zu genießen und Wassersportangebote zu nutzen, wie Tretboot fahren oder Parasailing. Uns hat dieser Ausflug sehr gut gefallen, denn das Meer ist an dieser Stelle besonders klar und leuchtet in verschiedenen Türkis- und Aquamarin-Schattierungen“ erläutert eine Teilnehmerin der Reise.

Dann gab es noch einen Ausflug in den Canyon, dem Yakapark und der Pegasusstadt.

„Zuerst fuhren wir zum Canyon. Wer jetzt ungeschickt war, und den Fuß an die falsche Stelle setzte fiel ins Wasser und war „platschnass“. In diesen Tagen fiel in der Region wenig Regen, so dass man den Canyon mühelos durchqueren konnte. Bevor wir zum Yakapark weiterfuhren um dort Mittag zu essen, probierten einige von uns die bekannten „Knabberfische“ der Region aus, die die Hornhaut der Füße abfressen und die Füße so weicher machen sollen.

Während des Mittagessens konnte man im Yakapark das Rauschen eines Wasserfalls genießen. Als letzten Programmpunkt des Tages fuhren wir noch zur Pegasusstadt, die bereits im ehemaligen römischen Reich als Wohnstätte diente und heute eine Ruine ist. Das besondere an dieser Stadt war, dass die Wohnungen in Felsen gehauen wurden.“

An den Abenden trafen sich die Berliner Jugendlichen mit einer einheimischen Jugendgruppe. Hier wurden gemeinsame kleine Projekte geplant und es fand ein reger Austausch über die kulturellen Besonderheiten, aber auch die Gemeinsamkeiten beider Länder statt. Besonders wichtig war hier auch der Besuch der einheimischen Familien. Die Gastfreundschaft hat die Jugendgruppe besonders beeindruckt. Dann ging es für die deutsche Jugendgruppe auch schon wieder Richtung Heimat.

Was mit Sicherheit geblieben ist, sind die Erfahrungen mit Land und Leute, die große Kultur dieser Nation, aber auch die Schattenseiten, das soziale Gefälle in diesem Staat zwischen Europa und Asien.

Ulrike Schnieders, Hulusi Türkcan & Teilnehmer_innen der IB Türkei 2014 / Jo