Delegation aus Kasachstan besucht auch das Jugendamt

Eine Delegationsreise für Vertreterinnen und Vertreter aus Kasachstan führte Ende September 2015 auch in das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg.
Nach welchen grundsätzlichen Prinzipien arbeitet ein Jugendamt, wie organisiert sich das Jugendamt im Tempelhof-Schöneberg, was ist überhaupt Jugendhilfe und welche Maßnahmen ermöglicht das Jugendhilfesystem? Das waren nur einige inhaltliche Ansätze und Fragen, die bei dem Informationsbesuch von kasachischen Entscheidungsträgern erörtert wurden.

Die Delegation bestand aus Entscheidungsträgern aus Kasachstan, die sich aus den Bereichen Justiz, der Innenverwaltung, der Polizei, des Erziehungswesens und der Zivilgesellschaft zusammensetzte. Konkret waren zum Beispiel ein Richter des Obersten Gerichtes, ein Verwaltungsleiter aus dem Bildungsdepartements, eine Oberstaatsanwältin und eine Leiterin der Verwaltung für Vormundschaften, Pflegschaften und Kinderrechte dabei.
Die Informationsreise wurde im Auftrage der Friedrich-Ebert-Stiftung, des obersten Gerichtshofes Kasachstans und der UNICEF von Herrn Dr. Gerd Wehling organisiert. Dr. Wehling, der als Richter und Professor tätig war, kooperierte in der Vorbereitung und Durchführung eng mit der Büroleiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Astana/Kasachstan, Frau Zauresh Shutova.
Die mehrstündige sehr intensive Veranstaltung fand im „Goldene Saal“ im Rathaus Schöneberg statt. Die Präsentationen, kleinen Vorträge und Fragen wurden von zwei Dolmetscherinnen übersetzt.
Leitthemen der Informationsveranstaltung waren das Jugendstrafrecht, Rechtsgrundlagen und Praxis in Deutschland, aber auch die Aufgaben, Zuständigkeiten und die praktische Arbeit der verschiedenen Fachbereiche eines Jugendamtes. Jugendamtsleiter Rainer Schwarz, der die Delegation begrüßte, gab einen leicht verständlichen und detaillierten Überblick über die Aufgaben und die Struktur des Jugendamtes.
Ein gewünschter Schwerpunkt waren Fragen des Jugendstrafrechts. Der Koordinator für die Jugendgerichtshilfe im Jugendamt, Christian Wolff, berichtete über die Rolle und die Aufgaben der Jugendhilfe im Strafverfahren in Deutschland, in Berlin und im Bezirk. Es wurde über die gesetzlichen Grundlagen der Arbeit berichtet und die Aufgaben der Sozialarbeiter_innen in der Jugendhilfe im Strafverfahren in der Zusammenarbeit mit dem Klientel, der Polizei, der Justiz und den freien Trägern beschrieben. Christian Wolff fasst seine Kernaussage noch zusammen: „Die Jugendhilfe im Strafverfahren spielt eine wichtige Rolle bei der Prävention von Jugenddelinquenz, aber auch bei der Durchführung von Strafverfahren gegen Jugendliche und Heranwachsende. Sie begleitet jugendliche und heranwachsende Straftäter durch das Strafverfahren und bringt die erzieherischen, sozialen und fürsorgerischen Gesichtspunkte vor den Jugendgerichten zur Geltung. Sie werden bei der Prävention und der Umsetzung von ambulanten Maßnahmen von freien Trägern der Jugendhilfe intensiv unterstützt.“ Es wurden Aspekte der Betreuung von straffälligen Kindern, deren Unterbringung und Erziehung erörtert.
Die Delegation bat darum, dass sie eine Nicht-Regierungsorganisation, die in diesem Bereich arbeitet, kennenlernt. Dazu wurde Oliver Jacob, Mitarbeiter der „Integrations Hilfe“ des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks eingeladen, der über die Arbeit mit delinquenten Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden im Rahmen der ambulanten jugendrichterlichen Maßnahme und des Täter-Opfer-Ausgleichs berichtete. Man interessierte auch dafür, wie der Träger zum Beispiel mit Personal, Technik und Möbeln ausgestattet ist und wie dies finanziert wird.
Die Bereichsleiterin „Hilfen für Familien“ des Jugendamtes, Beate Mannkopf, berichtete über die geschlossene Unterbringung von gefährdeten Kindern und Jugendlichen, über das familiengerichtliche Verfahren und die Mitwirkung des Jugendamtes. Aus dem Bereich Jugend- und Familienförderung erläuterte der Bereichsleiter Manfred Schulz besonders die Ansätze und Aspekt der Jugendförderung. Ihm war es wichtig auf die präventiven Möglichkeiten und Notwendigkeiten im Vorfeld von Straffälligkeit hinzuweisen.
Thomas Moser