Komm auf Tour – Lebensplanung früh beginnen

Erfolgreiche Projekte kann man immer wiederholen, zumal, wenn es jedes Jahr neue Interessenten gibt. Knapp Eintausend Jugendliche von Tempelhof-Schöneberger Schulen haben sich zwischen dem 4. und 8. Juni 2012 mit ihrer Zukunft auseinandergesetzt. Ob Siebenklässler noch zu jung dazu sind, wurde von den Veranstaltern verneint. Bei „Komm auf Tour“ geht es in erster Linie nicht darum, seinen Berufswunsch frühzeitig festzulegen, sondern vielmehr erst einmal seine Stärken und Schwächen herauszufinden. Das System, Stärken und Schwächen zu entdecken, ist ausgeklügelt. In einem Erlebnisparcours wer-den die Jugendlichen mit allen möglichen Situationen konfrontiert.

Am Ende wissen die Schülerinnen und Schüler, ob sie beispielsweise gern Menschen hel-fen und unterstützen, gern organisieren und Ordnung machen, Spaß am Gestalten haben, gern mit Zahlen umgehen oder mit Händen arbeiten, den berühmtem grünen Daumen haben oder gern reden und beraten. Mehrfachbegabungen sind natürlich möglich. Und für jede erhält man einen Sticker angeklebt, so dass zum Schluss die stolze Brust wie mit Orden behängt aussieht.

Gastgeber des Projektes, das erneut in der Malzfabrik an der Bessemer Straße stattfand,  sind die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen, die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, die drei Agenturen für Arbeit im Land Berlin und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die bezirklichen Partner in Tempelhof-Schöneberg sind die Abteilung Jugend, Ordnung , Bürgerdienste – Jugendförderung, die Wirtschaftsförderung, die Regionale Schulaufsicht Tempelhof-Schöneberg, Berufsberaterinnen und Berufsberater der Agentur für Arbeit Berlin Süd und der Regionaler Ausbildungsverbund Tempelhof-Schöneberg. Am Schluss des Beitrages listen wir die Partner im Einzelnen auf.

Eine wichtige Rolle bei der Lebensplanung der Jugendlichen, auch aus Sicht dieser selbst, spielen die Eltern. Und so bot es sich an, für diese einen Abend zu gestalten und ihnen das Projekt vorzustellen. Der Einladung folgten rund 150 Väter und Mütter. Jugendstadtrat Oliver Schworck begrüßte sie und führte in seiner Rede aus:

„Am 5. Juni 2012 hat die Bundeskanzlerin auf Schloss Meseberg mit Spitzenvertretern der großen Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften unter anderem das Thema Fachkräftemangel besprochen. Das Thema ist nicht neu. Wir im Bezirk Tempelhof-Schöneberg versuchen mit Netzwerken und Veranstaltungen wie dieser, die Schülerinnen und Schüler – ihre Kinder – schon früh zu sensibilisieren, was nach der Schule auf sie zukommen wird und schon frühzeitig ihnen die Gelegenheit zu geben, Ihre Fähigkeiten zu erkennen. Dabei ist die Bildung ein ganz wesentlicher Punkt, der auch für die Berufswahl entscheidend ist.

In Bildung, in Ausbildung, in Weiterbildung zu investieren ist das Beste, was wir tun können. Denn Bildung zahlt sich aus:

•          für jeden Einzelnen, der etwas lernt

•          für die Unternehmen, die ihr künftiges Personal selber schulen

•          für die Gesellschaft, die darauf dringt, allen gute Bildungschancen zu gewährleisten

Bildung ist unsere Ressource. In gut ausgebildeten Menschen liegt unser aller Zukunft. Das rege Interesse und das positive Feedback zu den ‚komm auf Tour-Veranstaltungen’ zeigt aber auch, wie ernst es unseren Jugendlichen mit ihrer Verantwortung für die eigene Zukunft ist. Sie wollen einen ansprechenden Beruf, sie wollen eine gute Ausbildung, sie wollen vorankommen und etwas aus ihrem Leben machen. Sie sind zielstrebig und um-triebig.

Nur: Es ist nicht so einfach, den passenden Beruf auszuwählen und die richtige Ausbildungsstelle zu finden. Die Arbeitswelt ist für Schülerinnen und Schüler, auch wenn sie zu Hause etwas von der Tätigkeit ihrer Eltern mitbekommen, ein eher fremder Lebensbereich. Und deshalb steht vor der Wahl die Information. Die Information, die von vielen kompetenten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern aus ganz unterschiedlichen Sparten zu erhalten ist.

Wer sich erstmals mit der Arbeitswelt auseinander setzt, ist wohl überrascht von der Menge der existierenden Ausbildungsberufe. Mehr als 350 sind staatlich anerkannt, doch die meisten davon sind den Schulabgängerinnen und Schulabgängern in spe – und wahrscheinlich nicht nur ihnen – unbekannt. Wer weiß schon, was zum Beispiel ein Mechatroniker macht. Nach wie vor stürzt sich die Mehrheit der Schulabgänger auf die zehn beliebtesten Ausbildungsberufe.*

Damit ist auch die Frage der Eignung angesprochen, die möglichst früh gestellt werden sollte. Denn alle, die die Voraussetzungen nicht mitbringen, können nur Enttäuschungen erleben – wie auch diejenigen, die plötzlich feststellen, dass zum Traumberuf auch Tätigkeiten gehören, die ihnen ganz und gar nicht zusagen. Solche Enttäuschungen sind vermeidbar – durch vorheriges gründliches Informieren, durch eine kompetente Beratung. Festzustellen, dass man sich für einen bestimmten Beruf nicht eignet, heißt ja nicht, dass man nichts kann. In einem anderen Bereich kommt man sicher zum Zuge. Es sind eben nicht alle Menschen fixe Rechner oder geschickte Tüftlerinnen. Und es ist auch nicht so, dass nur diese eine spezielle Tätigkeit das berufliche Glück verspricht. In der Regel eignet sich jede und jeder für mehrere Berufe, kann sich jede und jeder in verschiedenen Sparten wohl fühlen und es dort zu etwas bringen.

Der entscheidende Faktor ist hier die Ausbildung: Wer eine qualitativ hochwertige Ausbildung hat, für den sind die Chancen auf eine reguläre, unbefristete und fair bezahlte Arbeitsstelle deutlich höher, als für Ungelernte.

Eine hohe Qualität der Ausbildung ist auch im Interesse der Unternehmen. Denn in Zeiten abnehmender Bewerberzahlen müssen die Betriebe sich anstrengen, um die geeigneten Fachkräfte für morgen zu gewinnen. Klagen hilft hier niemandem. Die Unternehmen haben es ja selbst in der Hand, mit guter Ausbildungsqualität dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Genau aus diesem Grund sind Angebote wie ‚komm auf Tour’ für Jugendliche, Schulen und Unternehmen so besonders wichtig. Hier können sich Jugendliche vor Ort über Berufe und Berufswünsche aktiv informieren. Erste Erkenntnisse darüber gewinnen, wo ihre Begabungen liegen, sich umfassend beraten lassen. Das ist ein erster wichtiger Schritt, die richtige Ausbildung zu wählen und sich vielleicht nicht für einen der wenigen überlaufenen Modeberufe zu entscheiden. Aber vor allen Dingen ein wichtiger erster Schritt, um die Ausbildung dann auch durchzuhalten.

Abschließend möchte ich mich noch ganz recht herzlich bei all´ denjenigen bedanken, die hier im Vorder- und Hintergrund dafür gesorgt haben, dass diese Veranstaltung  zu Stande gekommen ist. Besonders bedanken möchte ich mich bei der Berufsberatung Tempelhof-Schöneberg, den vielen freien Trägern, den Kolleginnen und Kollegen aus den Jugendfreizeiteinrichtungen sowie Frau Fechner-Barrére aus dem Jugendamt und last but not least bei Sinus Büro für Kommunikation und dem SPI Consult in Berlin.“

*Die zehn beliebtesten Ausbildungsberufe des Jahres 2011 waren: Erzieher/in, Krankenschwester/Krankenpfleger, Mechantroniker/in, Koch/Köchin, Industriekaufmann/-frau, Fachinformatiker/in, Bankkaufmann/-frau, Bürokaufmann/-frau, Industriemechaniker/in und Hotelfachmann/-frau.

Neben vielen anderen Angeboten im Erlebnisparcours ist der des „Betten-Bauens“ besonders beliebt. Dabei geht es nicht darum, wie man fälschlicher Weise vermuten könnte, ein Bett zu bauen, sondern es zu beziehen. Wie bekommt man den Bettbezug über die Decke? Jugendstadtrat Oliver Schworck hat das bei Kinderferienfahrten gelernt und beherrscht es noch heute, wie er uns vorführte. Die große Nachfrage in diesem Jahr verlangt natürlich nach einer Neuauflage von „komm auf Tour“  im kommenden Jahr.

Beteiligt an dem Projekt 2012 waren: Arbeit und Bildung e.V., bbw Berufsvorbereitungs- und Ausbildungsgesellschaft mbH, BBZ Berlin gGmbH , Café Albrecht – Evangelisches Jugendzentrum, Kompetenzagentur Tempelhof-Schöneberg im Beratungszentrum – Check Up, gaetan-data GmbH, Gangway e.V., GFBM e.V., Projekt KomBo (Kombinierte Berufs-orientierung), JFH Bungalow, JOBMOBIL, mobile Beratung am Übergang Schule/Beruf, Jugendcafé am Dorfteich Lichtenrade, Jugendclub Barnetstraße, Jugendfreizeiteinrichtung Boseclub, Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der UfaFabrik e.V. (NUSZ), Jugendfreizeiteinrichtung JUGI Hessenring, Jugendfreizeiteinrichtung Medienhaus Marienfelde, Jugendkeller Finchleystraße, Jugendmigrationsdienst, AWO Landesverband Berlin e.V., Diakonisches Werk Tempelhof-Schöneberg e.V., KiJuM – Kinder- und Jugendhaus Mariendorf, Kinder- und Jugendclub haus of fun, Leben Lernen e.V., Beratungsstelle für Mädchen und junge Frauen, Malteser Jugend Berlin, Modul e.V., Netzwerk Berufspraxis, Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.,  Kinder- und Jugendzentrum VD 13 e.V. , OUTREACH Mobile Jugendarbeit – Tempelhof-Schöneberg, ubs e.V., Palladin Kochschule, GSJ Gmbh-Kick Projekt und Kids e.V.

Die beteiligten Schulen waren: 7. ISS Ringstraße, 8.ISS am Grazer Platz, Carl-Zeiss-Schule, Elisabeth-Rotten-Schule, Gustav-Heinemann-Schule, Katholische Schule St. Franziskus, Katholische Schule St. Hildegard, Solling-Schule und Theodor-Haubach-Schule.

Zusammenstellung: Ed Koch