Rückblick auf den bezirklichen Aktionstag “Fremd” am 31. August 2012

Als wir in der Fach-Arbeitsgemeinschaft „Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche“ nach §78 KJHG im Januar diesen Jahres begannen, den bezirklichen Aktionstag „Fremd“ vorzubereiten, konnten wir nicht im Geringsten damit rechnen, wie brisant das Thema, das Datum und vor allem der Veranstaltungsort, werden würden, keine drei Tage, nachdem der Rabbiner Daniel Alter nur ein paar Straßen weiter mit seiner Tochter von Jugendlichen, vermutlich arabischer Herkunft, bedroht, angegriffen und verletzt worden war.

Der bezirkliche Aktionstag „Fremd“ Tempelhof-Schöneberg, aus Mitteln des Bundesprogramms „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ finanziert, fand auf dem Dürerplatz statt, mit einem umfangreichen Bühnenprogramm sowie Ständen mit Infos, Präsentationen und Aktionsangeboten für Kinder, Jugendliche und ihre Familien, mit reger Beteiligung aller sieben Regionen des Bezirks.

Der Bezirksstadtrat für Jugend, Ordnung, Bürgerdienste Tempelhof-Schöneberg, Oliver Schworck, sprach sich bei der Eröffnung des Aktionstages ausdrücklich gegen jede Form von Rassismus und Gewalt im Alltag aus. Danach begrüßte Herr Schworck alle Gäste, aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Fachkräfte des „Moskauer städtischen Zentrums der Pädagogik und Sozialarbeit“ im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Moskau. Von dieser Begegnung erhofft sich der Bezirk für das nächste Jahr eine Rückbegegnung in Form eines Jugendaustauschs mit Jugendlichen unseres Bezirks nach Moskau.

Im Anschluss daran erfolgte die Übergabe des KINDERCENT für drei Tempelhof-Schöneberger Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen.

Die Aktion KINDERCENT entstand folgendermaßen:

Kurz vor den Weihnachtsferien 2011 begann das Kinder- und Jugendparlament Tempelhof-Schöneberg die Sammelaktion KINDERCENT des Deutschen Kinderhilfswerkes. Über 120 junge Parlamentarier aus Schulen und Freizeiteinrichtungen des Bezirkes sammelten in den Regionalen Arbeitsgemeinschaften für einen guten Zweck. Der gute Zweck wurde von den Mitgliedern des Parlamentes natürlich selber bestimmt: alle Erlöse sollen in jeweils eine Jugendeinrichtung des Bezirkes gehen, die es dann für die Verbesserung ihres Angebotes verwenden kann. Was genau eine Verbesserung darstellt, bestimmen die Jugendlichen natürlich selber. Denn sie genau wissen, was gut für sie ist. Diese Aktion soll nicht nur Selbstzweck sein, sondern soll vor allem das Kinderrecht auf Freizeit und die Kinderrechte im Allgemeinen in die Öffentlichkeit bringen. Durch diese Aktion soll auch gezeigt werden, dass Kinder und Jugendliche gut ausgestattete Freizeittreffs nach der Schule brauchen.

Auch die  Politik soll aufgerufen werden, alle Freizeittreffs so zu finanzieren, damit Kinder und Jugendliche ihre Freizeit so verbringen können, dass sie sich wohl fühlen und Zeit sinnvoll und kreativ verbringen können. Die Kindercents können natürlich nicht alle Wün-sche und Forderungen der Freizeitclubbesucher/innen erfüllen, sie zeigen aber, dass sich Kinder und Jugendliche engagieren, um ihre Rechte einzufordern.

„Kindercent bietet Kindern die Möglichkeit, sich offiziell für etwas einzusetzen, das sie gut finden, sei es Tierschutz, Seniorenhilfe oder Unterstützung für kranke Menschen. Durch die Auseinandersetzung mit ihrem Thema und durch die Überzeugungsarbeit, die sie leisten, um Erwachsene dafür zu gewinnen, eignen sich die Kinder wichtige soziale Kompetenzen an“, erklärt Dr. Heide-Rose Brückner, Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Am 13. Juni 2012 wurden die drei Spendendosen an das Deutsche Kinderhilfswerk übergeben und, auf dem Aktionstag, wurden die Erlöse an drei Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen im Bezirk überreicht, an den PallasT, den Lortzingclub und an das JFH Bungalow.

Später ergriff auch die Integrationsbeauftragte des Bezirks, Gabriele Gün Tank, auf der Bühne das Wort und verwehrte sich gegen jegliche Angriffe von Rassismus.

Das Bühnenprogramm und die Präsentationen des Aktionstages „Fremd“ setzten sich zusammen aus den Ergebnissen der Workshops in den Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, Institutionen und Vereinen sowie Schulen, die sich mit der Thematik „Fremd“ beschäftigt haben, sei es in Form von Lyrik, Songs, Theaterszenen, Ausstellungen…

Schlagworte für die Projekte waren:

– Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft und mit dem Gefühl des

“Fremdseins”

– Was bedeutet “fremd”?

– Wer oder was ist “fremd”?

– Abbau von Vorurteilen

– Brücken schlagen / bauen

Folgende Acts beim Bühnenprogramm waren dabei:

Streetdancer der Carl-Sonnenschein-GS, Breakdancer und Streetdancegruppe des JFH Bungalow, die Kifrie-Musiketage, die Weiße Rose mit „Heart Sweats“ und „Julian“ (Beat-Box), Halay Gruppe (Fresh 30 + Gangway), Trommelgruppe PallasT (Stadtteilladen),

„Arabesque“ mit Jugendlichen aus Friedenau (Fadime + Okan), sowie das Projekt „My Street“ mit Jugendlichen von Gangway

Besondere Highlights und Angebote an den Ständen und Aktionsflächen waren:

Ausstellungen der gemalten und gezeichneten Werke aus den Projekten der Einrichtungen zum Thema „Fremd“, Kunstprojekt „Sichtweisen“ aus Friedenau, Zeichenaktionen und Kollagen zum Thema (u.a. KiJuM), der „Einbürgerungstest“ aus Schöneberg-Nord, Umfrageaktionen beim Jugi Hessenring, DWTS, LebenLernen e.V, JFH Bungalow mit Infos und Spielangeboten, die Einrichtungen des Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der ufafabrik e.V. „3D Medienhaus Marienfelde“ mit einem Tastspiel und einem Infostand und der „Boseclub“ mit dem Spiel „Vier gewinnt“ und einem mobilen Basketball, sowie das VD 13 mit seinem umfangreichen, alkoholfreien Cocktailstand.

Die „Kifrie Medienwerkstatt“ hat vor Ort interviewt und gefilmt und ist nun dabei, eine Filmdokumentation über die Veranstaltung zu erstellen.

Ein besonderer Dank geht an die beiden Moderatorinnen Dilan und Ezgi, die engagiert durch die Veranstaltung geführt haben.

Federführend an der Vorbereitung beteiligt waren: Gangway Schöneberg, Vd13, die Burg, PallasT, KiJuM, Jugi Hessenring, die Kifrie-Medien- und –Musiketage, JFH Bungalow.

Auf diesem Wege allen Organisatorinnen und Organisatoren ein herzliches Dankeschön für die gute Zusammenarbeit, verbunden mit der Hoffnung, dass wir auch im nächsten Jahr gemeinsam einen bezirklichen Aktionstag durchführen können!!!

Petra Wichert