Festakt für ehrenamtliche Helder aus Tempelhof-Schöneberg

Es ist so etwas wie eine kleine Tradition, dass für die fleißigen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die sich jahrelang in Familien, Kitas, Schulen und Projekten um Kinder kümmern, am Jahresende ein feierlicher Festakt stattfindet. Das Gemeinschaftshaus Lichtenrade war auch in diesem Jahr wieder der Rahmen für die liebevoll durchgeführte Feier des Jugendamtes Tempelhof-Schöneberg und des Nachbarschaftsheims Schöneberg e.V.

Die Ehrenamtler werden über mittlerweile 34 Jahre von einem engagierten Sozialarbeiter aus dem Tempelhof-Schöneberger Jugendamt, Walter Strutz , für diese Arbeit angeworben und betreut. Der vor einem Jahr pensionierte Strutz kümmert sich jetzt weiter für den Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V., in Kooperation mit dem Jugendamt, um die „Helden im Alltag.“

Übrigens, wann haben Sie die letzte handschriftlich geschriebene Einladung erhalten? Walter Strutz lädt die Gäste in einer ganz individuellen handschriftlichen Form „zu einem harmonischen Abend“ ein und die Gäste freuen sich schon immer über die Einladung und über das Fest.

Viel Kultur wurde auch dieses Jahr wieder geboten. Ein klassisches Trio versetzte die Gäste in eine fast vorweihnachtliche Stimmung, das Zander-Bläserensemble interpretierte lautstark und auch gefühlvoll Beatles-Songs und eine junge Frau, Lisa Marie Hille, stellte eigene Lieder mit eindrucksvoller Stimme und Gitarre vor. Der kulturelle Höhepunkt waren sicherlich Ausschnitte der a-capella-Show von „Absolutely Unterhaltsam.“ Unter dem Motto „Komm Du erst mal in unser Alter“ wird hochklassige Gesangskunst gepaart mit einer unendlichen Spielfreude. Konstanze wird besungen, Facebook auf die Schippe genommen und Peter Maffay neu interpretiert. Ein umfangreiches Repertoire hat der gemischte Chor zu bieten. Das Festpublikum ist begeistert und zeigt dies durch ihren kräftigen Applaus.

Zu dieser besonderen Veranstaltung gehört es, dass den ehrenamtlichen Jubilaren gedankt wird. Ob sie fünf, zehn oder sogar 25 Jahre dabei sind, der Jugendamtsleiter Wolfgang Mohns bedankte sich für die engagierte Arbeit und überreichte kleine Geschenke. Am 16. November wurden zehn Personen besonders geehrt. Trickreich bezog Jugendamtsdirektor Wolfgang Mohns (Foto) Walter Strutz in die Schar der Ehrenden mit ein. Seit 34 Jahren ist Strutz für diesen Bereich tätig, „Im nächsten Jahr hätten sie es ja geahnt, geehrt zu werden“, sagte Mohns.

Insgesamt sind für den Bezirk für diese Aufgaben 88 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer tätig, die 221 Kinder in circa 34.000 Stunden betreuen. Diese beeindruckenden Zahlen gibt Jugendstadtrat Oliver Schworck  in seiner Festansprache bekannt und kann diesen Umfang selbst kaum glauben. Schworck führte unter anderem in seiner Rede aus:  „Das ehrenamtliche Engagement  stand schon lange vor meinem politischen Ehrenamt auf meiner Agenda. Bei Jugendreisen u.a. nach Oberwarmsteinach haben wir uns, lieber Herr Strutz, schon vor vielen Jahren kennen gelernt. Und schon damals war und ist mir bewusst geworden, wie wichtig es ist, sich in der Gesellschaft ehrenamtlich zu engagieren.

‚Eigentlich müsste man etwas tun …’ Wer hat das nicht schon einmal gedacht, wenn er von einer Katastrophe hörte oder einer Notlage direkt vor der eigenen Haustür. Manchmal füllt man dann einen Scheck aus. Manchmal ist der gute Vorsatz schnell wieder vergessen. Und manchmal erwächst daraus ein großes Engagement.

Ich freue mich sehr, dass wir heute wieder Menschen aus unserer Mitte würdigen, die seit vielen Jahren handeln, die etwas für andere tun oder sich für das Gemeinwohl einsetzen.  Wer wie ich oft mit Menschen spricht, die sich ehrenamtlich engagieren oder Freiwilligenarbeit leisten, der kann immer wieder hören: ‚Ich mache doch gar nichts Besonderes’ oder ‚Ich tue doch nichts Großartiges’ oder ‚das ist doch selbstverständlich’. Und er wird merken, dass die ehrenamtlich Tätigen es nicht für so wichtig halten, über ihr Tun zu reden – sie handeln lieber. Und für dieses Handeln sage ich heute im Namen des Bezirksamtes danke.

Und wir reden darüber. Wir rücken Sie, liebe Ehrenamtler, wir rücken bürgerschaftliches Engagement heute in den Mittelpunkt. Wir wissen, wie ungemütlich unsere Gesellschaft ohne das Ehrenamt aussähe. Denn nahezu jeder Bereich ist von freiwilligem Tun geprägt. Unsere sozialen Dienste und unser Rettungswesen, unsere Sport-, Kultur und Freizeitvereine sowie unsere Schöffengerichtsbarkeit, sie alle leben von den Freiwilligen, die dort aktiv werden. Sie alle leben davon, dass sich die Bürgerinnen und Bürger für ihr Umfeld, für ihre Mitmenschen und ihre Stadt verantwortlich fühlen und dass sie ganz selbstverständlich einen Teil ihrer Freizeit aufwenden, um einer selbst gewählten Aufgabe nachzugehen. Sei es Familien bei der Gestaltung Ihres Tages zu helfen, den Kindern bei den Hausaufgaben zur Seite zu stehen oder die Kindesmutter zu den Ämtern zu begleiten.

Für das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg bedeutet das statistisch ausgedrückt, dass hier insgesamt 88 Ehrenamtliche tätig sind, genau zur Hälfte Frauen und Männer. Insgesamt 221 Kinder werden durch sie in ihrer Entwicklung begleitet. 34.000 Stunden ehren-amtlicher Arbeit sind im Jahr 2011 geleistet worden. Hierfür gilt Ihnen mein ganz persönlicher Respekt und mein ganz persönlicher Dank!

Das ist nicht selbstverständlich. Wir alle wissen, dass es in unserer Zeit auch viel Egoismus gibt. Doch wenn jeder nur nach der Devise handelt: Jeder ist sich selbst der Nächste, dann hat bald jeder keinen Nächsten mehr. Gesellschaft braucht Gemeinsinn; wir Menschen sind aufeinander angewiesen. Eine Gesellschaft braucht das Miteinander; Menschen, die sich für andere oder das Gemeinwohl einsetzen, machen sie heller und freundlicher. Sie, liebe Ehrenamtliche, die anderen zur Seite stehen und über ihren Tellerrand hinausblicken, geben unserem Bezirk Tempelhof-Schöneberg sein menschliches Antlitz.

Bürgerschaftliches Engagement macht unsere Gesellschaft nicht nur menschlicher, sondern auch leistungsfähiger. Bürgerschaftlich Engagierte bringen all ihr Wissen und ihre Erfahrungen ein oder entfalten, wenn sie neue Aufgaben übernehmen, oft ganz erstaunliche Talente. Auch weiß man vor Ort natürlich meistens am besten, was Not tut oder wie eine Sache anzugehen ist.

Angesichts der großen Bedeutung, die dem Ehrenamt zukommt, haben freiwillig Tätige selbstverständlich ein Recht auf Unterstützung ihres Tuns, auf eine Unterstützung, die     über schöne Worte und eine kleine Auszeichnung hinausreicht. Bund, Länder und Kommunen haben erkannt, dass hier Handlungsbedarf besteht, und bereits etliche Verbesserungen der Rahmenbedingungen auf den Weg gebracht. So wurde 2005 der Unfallschutz für ehrenamtlich Tätige ausgeweitet. Auch die einzelnen Bundesländer werden aktiv. Nordrhein-Westfalen hat einen Landesnachweis eingeführt, der den ehrenamtlich Tätigen ihre gezeigten Kompetenzen bescheinigt; Hessen kennt eine Ehrenamtskarte, die langjährig bürgerschaftlich Engagierten attraktive Vergünstigungen gewährt. Und auch das Land Berlin hat seit dem Jahr 2011 eine Ehrenamtskarte, die über das bezirkliche Ehrenamtsbüro beantragt werden kann.

Das ist nur recht und billig, denn bürgerschaftliches Engagement fordert den Aktiven manchmal einiges ab, an Zeit oder auch an Kraft. Aber es gibt auch viel – das sagen alle, die aktiv geworden sind. Es ist ein schönes Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben oder zu spüren, dass man gebraucht wird. Es ist bereichernd, neue Erfahrungen zu sammeln und Menschen kennen zu lernen, die man sonst vielleicht nie getroffen hätte. Es macht Spaß, Erfolg zu haben und etwas für und mit anderen zu erreichen. Bürgerschaftliches Engagement ist, einfach gesagt, für alle ein Gewinn, und engagieren kann sich eigentlich jeder.

Liebe Ehrenamtler, Sie geben dem bürgerschaftlichem Engagement ein Gesicht. Sie zeigen ganz konkret, was Einzelnen möglich ist und wie viel Einzelne erreichen können. Ihre Geschichten, die Geschichten von Bürgerinnen und Bürgern aus unserer Mitte, von Menschen wie du und ich, können ein Ansporn sein für andere, auch aktiv zu werden. Denn freiwillig Tätige werden stets gebraucht.

‚Ich weiß ganz genau’, hat Karlheinz Böhm, der Begründer der Organisation ‚Menschen für Menschen’ einmal gesagt, ‚ich weiß ganz genau, dass ich durch meinen Spendenaufruf nicht die Welt verändern werde. Aber ich werde mich dadurch verändern und vielleicht andere anregen, es mir gleichzutun.’

Mag ein Einzelner auch die Welt nicht verändern können, so kann er doch, wie gerade Karlheinz Böhm mit seiner Stiftung bewiesen hat, so kann er doch viel bewegen. Auch wenn er nicht prominent ist und nicht global agiert. Alle, die sich in Tempelhof-Schöneberg in welcher Weise und wie umfangreich auch immer in unser Gemeinwesen einbringen, sie alle tun viel für unser gut funktionierendes Zusammenleben und unser aller Lebensqualität. Und dafür möchte das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg ihnen, liebe freiwillig Tätige, heute danken. Dafür, dass Sie seit Jahren für andere handeln.“

Die Veranstaltung bot wieder viel Raum für Gespräche und neue Kontakte. Nach den Ansprachen war der Sturm auf das leckere Buffet nicht mehr zu stoppen. Michael Lindner, Chef von Butter Lindner, hat einen Teil davon gesponsert und nimmt auch gerne regelmäßig an den Veranstaltungen teil. Für die Festgäste war der feierliche Abend eine gelungene Veranstaltung. Eine Besucherin drückte es so aus: „Ich freue mich schon riesig auf die Feier im nächsten Jahr!“

Thomas Moser