Tagespflege zu Gast im Rathaus Schöneberg

Unter der Schirmherrschaft von Jugendstadtrat Oliver Schworck und auf Einladung der „Familien für Kinder gGmbH“ trafen sich am Samstag, dem 17. November 2012, rund 250 Tagespflegepersonen im Willy-Brandt-Saal des Rathauses Schöneberg. Die Familien für Kinder gGmbH  organisiert jährlich eine IMPULSE-Veranstaltung, zu der alle Berliner Tagespflegekräfte  eingeladen sind. Auf der Tagesordnung stehen immer spannende und aktuelle Themen. In diesem Jahr standen Bildungs- und Lerngeschichten im Mittelpunkt. Mit Sibylle Haas hatten die Veranstalter eine Dozentin engagiert, die mehrfach selber in Neuseeland war und den „Erfindern“ der Lerngeschichten     über die Schulter geschaut hat. Sie hat kürzlich ein neues Buch zum Thema veröffentlicht.

Bildungs- und Lerngeschichten sind eine Möglichkeit, Beobachtungen zu dokumentieren. Beobachtung hat seit der Novellierung des KJHG an Beachtung gewonnen, da nur mit „Beobachtung und Dokumentation“  der Bildungsauftrag in der frühen Kindheit umgesetzt werden kann. Tagespflegekräfte haben es mit Kindern unterschiedlichen Alters und Temperamentes zu tun. Um jedes Kind individuell unterstützen und fördern zu können, bedarf es einer gezielten Beobachtung jedes einzelnen Kindes. Tagespflegekräfte müssen wahrnehmen: Was fühlt das Kind, wie verhält es sich, wie verläuft seine Entwicklung.

Lerngeschichten (M. Carr 2001) sind eine sehr wertschätzende Form der Dokumentation, die Achtung und Anerkennung der kindlichen Leistung zum Ausdruck bringen. Neben der eigentlichen Beobachtung sind so genannte  Lerndispositionen  Kern des Ansatzes. Carr beschreibt diese als „Fundus oder Repertoire an Lernstrategien und Motivation, mit dessen Hilfe ein lernender  Mensch Lerngelegenheiten wahrnimmt, sie erkennt, auswählt, beantwortet oder herstellt und den er aufgrund seiner Lernbemühungen fortwährend erweitert.  Der Austausch mit dem Kind und mit den Eltern des Kindes ist ebenfalls fester Bestandteil von Lerngeschichten.  Alle Berliner Tagespflegekräfte sind verpflichtet, das Sprachlerntagebuch zu führen. Gerade für kleine Kinder (0-3 Jahren) bietet es sich an, Lerngeschichten, unterlegt mit vielen Fotos in das SLT zu integrieren.

Das in den letzten Monaten heiß diskutierte Thema Lebensmittelhygiene war ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung. Evelyn Kubsch von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft machte Ausführungen dazu.

Der Geschäftsführer der Familien für Kinder gGmbH, Peter Heinßen, und die für den Fachbereich zuständige Mitarbeiterin Heidi Krabbenhöft, empfingen Jugendstadtrat Oliver Schworck in der Brandenburghalle. Als Schirmherr richtete  Schworck auch ein Grußwort an die anwesenden Tagespflegekräfte, nachdem Nicole Bittner und ihre Kollegin Heidi Krabbenhöft die Anwesenden begrüßt hatten.

Oliver Schworck sagte u.a.: „Ich freue mich, dass so viele der Einladung von Familien für Kinder gefolgt sind. Vielen Dank an Herrn Heinßen und sein Team, dass er sich für unseren Bezirk bei der Auswahl des Tagungsortes entschieden hat.

Dass so viele von Ihnen zu früher Stunde hierher gekommen sind, zeigt das große Interesse der in der Tagespflege Tätigen. Dieses große Interesse, sich über die eigentliche Arbeit hinaus zu informieren und weiterzubilden, erleben wir tagtäglich in unserer Fortbildungseinrichtung Tempelhofer Forum. Natürlich nehmen Sie an den Seminaren auch teil, um die notwendigen Zertifikate zu erhalten. Ich weiß aber, dass sehr viele, die längst die erforderlichen Fortbildungsstunden erbracht haben, weiterhin an Seminaren teilnehmen, und zwar aus Interesse am Thema. Das finde ich vor allem deshalb bemerkenswert, weil Sie nur abends oder am Samstagvormittag die Veranstaltungen besuchen können, also zusätzlich zu Ihrer Tätigkeit in der Tagespflegestelle. Dieses besondere Engagement und Interesse wirkt sich natürlich auf die hervorragende Arbeit aus, die sie leisten. Und ich weiß, wovon ich rede, denn auch eines meiner Kinder besuchte eine Tagespflegeeinrichtung.

An den rund 5.500 Tagespflegeplätzen in Berlin ist mein Bezirk mit einem Fünftel beteiligt, und von den zirka 1.600 Tagespflegestellen befinden sich 240 in Tempelhof-Schöneberg. Sie sind also hier sozusagen in der Hochburg der Tagespflege zu Gast.

Familien für Kinder ist im Tagespflegebereich ein wichtiger Träger und für uns ein verlässlicher Partner. Auch mit dieser Impulseveranstaltung werden Sie  auf den neuesten Stand der Entwicklung gebracht. In diesem Jahr stehen Beobachtung und Dokumentation mit Hilfe von Lerngeschichten im Mittelpunkt. Beobachten und Dokumentieren klingt beim ersten Lesen etwas befremdlich. Ich glaube aber, dass man nur, wenn man sich mit den Kindern hinreichend beschäftigt und ihr Verhalten beobachtet, Korrekturen vornehmen und Fehlverhalten verhindern kann.“

Stadtrat Schworck ist im Bezirk Tempelhof-Schöneberg auch für das Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt zuständig. Er versprach den Tagespflegekräften, dass er alles tun werde, um die Auflagen der Lebensmittelhygiene für die Einrichtungen erträglich zu gestalten und bot seine Hilfe bei aufkommenden Fragen an.