Kiezausstellung

Es war jetzt schon die zweite Ausstellungseröffnung mit den Werken der Kinder der Klas-se 5b der Rudolf-Hildebrand-Grundschule. „Leben im Kiez“ hieß das Projektwochenthema der Schüler, das auf Anregung und unter Mitarbeit des Schülerclubs „Villa“ Anfang August durchgeführt wurde. Herausgekommen ist eine kleine Ausstellung mit den Arbeiten der circa zehnjährigen Kinder.

Die Ausstellung wurde schon im Schulgebäude in der Friedensstraße gezeigt. Nun haben die Kids mit ihren Werken den Standort des Jugendamtes in der Mariendorfer Strelitzstraße 15 erobert. Im 2. Stock kann man noch bis zum Jahresende die Werke bewundern. Mit Digitalkameras wurden das Schulgelände und der Kiez erkundet, interessante Orte fotografiert und beschrieben. Die Schülerinnen und Schüler erstellten „KIEZ-Würfel“ und bearbeiteten einige der entstandenen Fotos künstlerisch.

Die Aufgabe bestand darin, die einzelnen Würfelseiten mit dem Wohnort des Kindes, einer Vertrauensperson aus dem Kiez und einem Porträtfoto des Kindes zu füllen. Die Kinder arbeiteten mit großer Freude und Begeisterung an dieser Projektaufgabe, wie Bettina Herling und Dennis Hauke vom Schülerclub bestätigten.

Maxi findet den Volkspark Mariendorf sehr schön. Ihr Lieblingsort ist jedoch der Garten im Forddamm: „Klein, aber fein“ schreibt sie auf den Würfel. Auch Samira, Elena und Roma-zan lieben ihren Park in Mariendorf: „Dort kann man so schön entspannen“, schreibt Elena. Die Erzieherin Bettina Herling aus der „Villa“ bestätigt auf Nachfrage, dass sich die Kinder dort „wirklich“ gerne aufhalten. Aleyna liebt ihren Hof in der Gersdorfstraße und Sophia die Wiese im Lauxweg.

Nach Vertrauenspersonen gefragt, schreibt Elena auf ihren Würfel: „Meine Nachbarin Fr. D. ist meine Vertrauensperson. Ich habe sie ausgewählt, weil sie mir manchmal bei den Hausaufgaben hilft. Ihr Hobby ist Fahrrad fahren.“ Die zehnjährige Kati sieht ihre Mutter Olga als Vertrauensperson an: „Sie ist meine Vertrauensperson, weil sie mir hilft, wenn ich Probleme habe. Sie bringt mir auch viele Dinge bei, wie zum Beispiel das Kochen und das Putzen. Sie geht auch mit mir spazieren und manchmal zelten.“

„Mit dieser Ausstellung soll eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe ins Leben gerufen werden, in der die Sichtweise der Kinder die wichtigste Rolle spielt“, erläutert Hannelore Kinder, die Regionalleiterin für Mariendorf des Jugendamtes Tempelhof-Schöneberg, die Arbeit der Kinder.

Viele Verantwortliche von der Schule und vom Jugendamt schauten sich die Ausstellung an. Die Geschäftsführerin vom Nachbarschaftszentrum NUSZ in der ufa-Fabrik, Renate Wilkening, die als Träger die „Villa“ betreuen, die Jugendamts-Regionalleiterin Hannelore Kinder, der pädagogische Sachbearbeiter für Mariendorf, Hans-Ulrich Schulz, und viele weitere Mitarbeiter des Jugendamtes freuten sich über die Ausstellungseröffnung.

Bei kleinen Snacks, Getränken und in einer gemütlichen Atmosphäre kamen die Gäste gut mit den Kindern ins Gespräch. Die Zahl der Kinder und der Eltern war bei dieser Ausstellungseröffnung nicht ganz so groß wie erwartet, was aber sicherlich auch daran lag, dass eine zweite Vernissage nicht mehr ganz so aufregend ist. Als Anerkennung und Dank bekam die Klasse vom Jugendamt einen Hundertwasser-Kalender, weil die Klasse gerade an diesem Thema arbeitet, und einen Softball.

Von der Schule erfreuen sich die Klassenleiterin der 5b, Frau Sondermeier, eine Lesepatin und auch die Konrektorin, Kai Lerch, immer wieder an den Werken der Kinder.

Der Schülerclub „Villa“ ist eine Kinder- und Jugendeinrichtung, die sich direkt in der Schule befindet. Bettina Herling und Dennis Hauke bieten auch in den Ferien ein Programm an. Die Kiez-Ausstellung haben die zwei Pädagogen maßgeblich begleitet: „Die Kinder erarbeiteten mit großer Freude und Begeisterung die Projektaufgabe“, bestätigten übereinstimmend die Erzieher. Eine andere Gruppe baute mit den Filmemacherinnen Jordanne Maurs und Leila Saadna, in Kooperation mit zwei Mitarbeitern von Outreach, Lochkameras (Camera obscura). Aber das ist wieder eine andere Ausstellung.

Die Gäste in Mariendorf waren sich einig: Ein schönes Projekt und eine schöne Ausstellung, bei dem den Kindern ihr Schul- und Wohnumfeld ein ganzes Stück bewusster geworden ist!

Thomas Moser