“Wo ist denn der Käse?” Brunch mit verbundenen Augen

In den Osterferien fand im Jugi-Hessenring ein Brunch mit verbundenen Augen statt. Für zwei Stunden konnten zehn Kinder und Jugendliche erfahren wie es ist, nicht sehend kleine Dinge des Alltages zu bewältigen. Unterstützung bekamen sie dabei von Lui, der seit seiner Geburt blind ist. Der Tisch wurde erst gedeckt, nachdem alle ihre Augen verbunden hatten. Somit konnte mit gleichen Voraussetzungen gestartet werden.

„Wo ist denn der Käse?“ „Links neben Maria“ – „Wo sind die Brötchen?“ „Vor  Axel“ so waren die Antworten der zwei Sehenden, die zur Unterstützung anwesend waren. Mm, wo saß noch mal Maria und wo Axel? Ach ja, gegenüber von Gülcin, oder nicht? Hin und her wurden die gewünschten Dinge gereicht, die – wie sollte es auch anders sein – immer am anderen Ende der Tafel standen. Erst einmal musste der Käse oder die Wurst ertastet und gefunden werden, anschließend die Hand, die es weiterreichen sollte und die nächste Hand und die nächste, bis das gewünschte bei demjenigen ankam der nachgefragt hatte.

Ein Kind  ging auf Nummer sicher und aß nur ein trockenes Brötchen, eine  Jugendliche machte in selbiges ein Loch mit dem Finger und stopfte Gurke und Tomate hinein. Die meisten der Gruppe waren aber mutig und testeten sich aus. So kam es vor, dass die Marmelade auf dem Teller landete, weil die Erinnerung sagte, da ist das Brötchen, über die Cornflakes gegossene Milch verwandelte sich plötzlich in Apfelsaft. „Wie kann ich erkennen, ob das Milch ist?“ Lui: „Durch riechen“. Ja klar, aber darauf muss man erst einmal kommen. Um diese anderen Sinne zu fordern, befanden sich das klein geschnittene Obst und Gemüse vermischt in Schalen. Milch, Orangen- und Apfelsaft gab es in Tetrapaks.

Nach dem Brunch stellte die Gruppe Lui Fragen. Wie kaufst du Lebensmittel ein? Bist du schon immer blind? Wie suchst du dir einen Pullover aus? Kennst du Farben? Wie geht das mit dem Stock? Den konnten sie anschließend ausprobieren. Dazu hatte Lui zwei Blindenstöcke mitgebracht. Einen festsitzenden, den er immer benutzt für größere Menschen, sowie einen zum Verstellen, damit ihn auch die Kleineren ihrer Körpergröße entsprechend testen konnten.

Es ist etwas anderes selber zu erleben, wie es ist mit einer körperlichen Einschränkung, zu Recht zu kommen. In diesem Fall war es, nicht sehen zu können, da reichen Gesten im Gespräch, wie zustimmendes Nicken nicht aus. Alles muss kommuniziert werden. Unsere Kinder und  Jugendlichen waren sehr konzentriert und interessiert dabei, diese Erfahrung zu machen. Das wurde besonders deutlich, als sie nach dem Brunch wieder im allgemein Modus „laut“ agierten und Lui fragte: „Ist da eine neue Gruppe angekommen?“ und die Antwort „Nein, das sind die gleichen wie eben“ war.

Bericht: S. Raband